[Interview] Christiane Werk

Hallo meine Lieben,hier ist das erste Interview der Synchronsprecher Reihe. Ich freue mich sehr euch heute meine Namesvetterin Christiane vorzustellen. Ich habe sie auf der Animagic 2014 getroffen und ich muss sagen, das sie auch sehr niedlich sein kann – so wie ihre Rolle die sie spricht. Viele werden sie aus Sword Art Online kennen, dort spricht sie die kleine Yui, oder in Fate/Zero spricht sie Rin.

Christiane war so lieb, und hat mir einige Fragen beantwortet. Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Interview. 1. Wie sind Sie zur Synchronisation gekommen?
Ich
habe neben meiner privaten Schauspielausbildung zuerst Werbung
gesprochen und hatte hier den einen oder anderen kleinen Job. Dann ging
ich 2008 nach Hamburg, um dort mein journalistisches Volontariat zu
machen. Ich wollte gern noch ein weiteres Standbein haben. Dort kam ich
über ein paar Ecken zu einem Tonstudio, in dem ich eine Werbung
einsprach. Und so lernte ich die Jungs dort kennen, die mich kurzerhand
fragten, ob ich es auch mal mit Synchron probieren wollte, da sie
begeistert von der Tatsache waren, dass ich eine sehr junge Stimme habe,
die besonders für Anime und Zeichentrick gut geeignet ist. Gefragt –
getan. Es lag mir direkt und ich hatte das große Glück, dass gerade ein
Casting für die Hauptrollen einer Cartoon Network-Serie stattfand – Hero
108. Ich wurde auf „Jumpy Ghostface“ gecastet und bekam so direkt meine
erste Hauptrolle – 26 Doppelfolgen. Das war harter Tobak für die
allererste Rolle. Und dann auch noch in Charge mit Ninja-Lauten und ganz
vielen Kampf-Szenen. Aber es hat geklappt und somit meisterte ich meine
erste große Rolle. Dadurch folgten dann auch gleich zahlreiche weitere
Serien, in denen ich Haupt- und Nebenrollen ergatterte und so immer
sicherer und schneller wurde.
2.
Übernehmen Sie alles, was ihnen an Text gegeben wird, oder können sie
auch etwas von sich einbringen (falls ein Satz ihrer Meinung nach besser
passt)?
Da ich auch selbst als Synchronautorin
und Synchronregisseurin arbeite, sind viele Studios, mit denen ich
zusammenarbeite, dankbar, wenn ich eine gute Idee habe und diese
einbringe. Natürlich kann man am Mikro nicht einfach so Texte ändern und
das Geschriebene übergehen. Aber man steht ja mit der Regie in regem
Dialog und tauscht sich aus. Wenn man während der Aufnahmen feststellt,
dass an eine Stelle besser ein anderes Wort passen würde, der Satzbau
anders schöner gesprochen klingt oder man die Länge ändern muss,
überlegt man gemeinsam und entscheidet dann, inwieweit Texte dann noch modifiziert werden können.
3. Haben Sie eine „Lieblingssprechrolle“?
Ich
mag YUI aus „Swort Art Online“ wahnsinnig gern. Einerseits spreche ich
sie schon lange und kenne sie daher recht gut, andererseits ist sie
einfach so niedlich und dabei so weise, dass ich es einfach entzückend
finde. Ihr Charakter ist unheimlich schön gezeichnet, sie ist mir sehr
sympathisch. Auch MATARO aus „Kill La Kill“ spreche ich extrem gerne,
weil ich hier alles rauslassen kann, was ich sonst nie rauslassen würde.
😉 Er ist laut und „immer auf die Zwölf“. Es macht wahnsinnig viel
Spaß, sich mit ihm am Mikro auszutoben. Aber auch Real-Filme spreche ich
ausgesprochen gerne. Ich werde immer wieder auch für Jungen vor der
Pubertät besetzt (z.B. in dem Film „Johnny“, in dem ich den
gleichnamigen Hauptcharakter sprechen durfte, oder in dem Film „Mehr als
Limonade – The Secrets of Jonathan Sperry“, in dem ich die Hauptrolle
„Dustin“ gesprochen habe) und empfinde es jedes Mal als sehr spannend,
in neue Rollen schlüpfen zu dürfen. In
„Johnny“ war meine Figur (JOHNNY) leukämiekrank – eine äußerst
bewegende Rolle, denn er stirbt am Ende. Solche Szenen mit der Stimme zu
spielen, wo ein kleiner Junge an einer so schweren Krankheit leidet und
stirbt, geht mir schon sehr nah. Das bleibt nicht in den Kleidern
stecken, wie man so schön sagt. Das ist das Tolle an meinem Beruf – es
gibt unzählige und so verschiedenen Rollen, die – jede für sich – etwas
Besonderes ist.
4. Haben Sie eine der Schauspielerinnen, den Sie sychronisieren, schon einmal getroffen?
Nein, bisher leider noch nicht. 😉
5. Sind Sie für eine Schauspielerin eine feste Synchronsprecherin oder wird das für jeden Film/jede Serie neu entschieden?
Ich
habe feste Rollen, ja. Aber für eine spezielle Schauspielerin bin ich
keine Feststimme. Außer bei den Hollywood-Stars wird es zumeist immer
neu entschieden, wer welchen Schauspieler/welche Schauspielerin sprechen
darf. Das sehe ich auch an den Filmen und Serien, die ich schreibe und
bei denen ich Regie führe und Sprecher vorschlage, bzw. besetze.
Manchmal werden auch aus organisatorischen Gründen (lange Anfahrten
etc.) andere Sprecher gewählt, auch, wenn ein Schauspieler/eine Schauspielerin schon häufiger von einem Sprecher/einer Sprecherin gesprochen wurde.
6. Schauen Sie sich die Serien bzw. Filme an, in denen Sie Sprechrollen haben?
Dafür
fehlt mir in den meisten Fällen die Zeit. Aber wenn ich zufällig mal
den Fernseher anhabe und mich dort höre, schalte ich natürlich nicht
weg…;) Ich freue mich aber immer, wenn die Studios Bescheid sagen, wann
was wo läuft und ich sogar mal die eine oder andere Szene bekomme, in
der ich dabei bin. 🙂
7. Wenn Sie für
eine Episode/einen Film sprechen, können sie die Episode dann schon vor
allen anderen sehen oder dürfen Sie nur ihre eigenen Ausschnitte sehen?
Das
ist fast nie möglich. In Ausnahmefällen geht das schon (z.B. wenn
großer Zeitdruck da ist und man sich schon im Vorhinein auf die Rolle
vorbereiten möchte), aber in den meisten Fällen weiß man oft nicht mal,
was und wen genau man spricht. Man kommt ins Studio, bekommt eine kleine
Inhaltsangabe des Films oder der Serie erzählt (oder man kann sie
lesen), bekommt 3-4 Takes der Rolle vorgespielt, die man spricht, um in
etwa zu sehen, wie sie angelegt ist, und dann geht’s schon los. 😉
Deswegen ist es eine so große Herausforderung, Synchronsprecher zu sein.
Dieser Beruf unterscheidet sich von allen anderen, die mit dem Sprechen
zu tun haben, extrem. Nirgendwo sonst muss man so direkt in der Lage
sein, seine Rolle und den Charakter derselben binnen so kurzer und
knapper Momente zu erfassen. Man bekommt ein paar Takes gezeigt und
schon muss man – ohne weitere Details zu kennen – den Charakter
verstanden haben und ihn spielen können.
8.
Sprechen Sie eine Szene mit allen Beteiligten komplett nach oder wird
jeder Charakter einzeln aufgenommen? Sprich, sehen Sie sich eigentlich
bei der Arbeit oder macht das jeder für sich? Abgesehen
von Ensemble-Aufnahmen (auch als „Menge/Masse“ bezeichnet) wird jeder
Charakter einzeln aufgenommen. Manchmal läuft man sich im Studio
natürlich über den Weg, aber das ist dann eher Zufall, weil man eben
zufälligerweise zu ähnlichen Zeiten gebucht wurde. Man gibt sich im
Studio quasi die Klinke in die Hand.
9. Auf welche Dinge muss man achten, wenn die Synchronisation aufgenommen wird?
Auf
alles. 😉 Ganz wichtig ist: IMMER PÜNKTLICH SEIN! Es hängen so viele
Menschen an und in einer Produktion und wenn da einer nicht
funktioniert, fällt alles wie ein Kartenhaus zusammen und wirft die
komplette Planung über den Haufen. Auch wichtig: Nie
etwas tragen, das Geräusche macht. Keine klappernden Ohrringe, keine
quietschenden Schuhe, keine knisternden Oberteile und so weiter. Dann
ist es extrem wichtig, dass man von der ersten Sekunde an, in der man am
Mikro steht, voll und ganz da ist. Konzentriert, ausgeschlafen, gut
gelaunt, alle Ego-Sachen und Eitelkeiten bitte draußen lassen. Auch ist
es wichtig, dass man sich die Zusammenhänge im Buch durchliest, sprich,
nicht nur seine eigenen Takes lesen, sondern auch, was davor und danach
gesagt wird. Davon hängen sehr viele Betonungen ab. Außerdem sollte man
dem Tonmeister immer gleich mal eine Stimmprobe geben, d.h. man liest
und probt seine ersten Takes schon mal, bis es losgeht. Und dann sollte
man während der ganzen Aufnahmen konzentriert bei der Sache sein. Was
ich aus Regie-Sicht noch sagen kann: NICHT DISKUTIEREN! Wenn der
Tonmeister, der Cutter oder die Regie einen Take noch mal brauchen,
sollte der Sprecher nicht diskutieren, wieso er den Take gerade schon
gut fand. Das ist uninteressant. Die eben genannten Instanzen denken
sich in den meisten Fällen etwas dabei, wenn sie eine Ansage machen.
Auch irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten haben vor dem Mikro
nichts verloren. Man sollte nicht mit Hunger oder Durst ins Studio
kommen. Vorher etwas essen, das den Magen nicht auf Hochtouren bringt,
denn wenn der Bauch grummelt, hört man das auf der Aufnahme. Ebenso
keinen Kaffee vorher trinken, denn der sorgt gerne für Schmatzen. 😉
Stilles Wasser, Ingwertee, ungesüßten Tee sind die Getränke, die sich
eignen. Als Sprecher ist in JEDER Hinsicht absolute Professionalität
gefragt, daher ist ein Sprecher auch dafür verantwortlich, gut für sich
und seinen Körper, sein Instrument, zu sorgen. Also ist eine gesunde
Lebensweise unerlässlich.
10. Sie werden ja auch auf der Animagic sein. Wird es wieder ein tolles Special zu SAO geben?
Dazu
kann und darf ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen…;) Aber was ich
sagen kann: Es wird definitiv Spannung, Spaß und Unterhaltung geben…;)
Und es lohnt sich für alle Fans, dabei zu sein…;) Freut Euch drauf! Ich
freu’ mich auch schon..
11. Würden Sie gerne ganz in die Schauspielerei wechseln?
Letztes
Jahr hatte ich das große Glück, in einem wundervollen Spielfilm („Nur
ein Tanz“) die weibliche Hauptrolle spielen zu dürfen. Das war und ist
fantastisch und ich bin sehr glücklich darüber. Solche tollen Drehs gibt
es natürlich nicht immer und wenn man sich das Deutsche Fernsehen mal
so anschaut, muss ich sagen, dass ich nicht ausschließlich
Schauspielerin sein möchte. Denn dann ist man darauf angewiesen, nahezu
alles „mitmachen“ zu müssen. Das würde ich nicht wollen. Außerdem wäre
es mir auch zu einseitig. Ich liebe mein Leben und das, was ich mache,
genauso, wie es ist. Es ist fabelhaft, so viel Abwechslung zu haben und
davon leben zu können. Dafür bin ich außerordentlich dankbar. Auch die
Tatsache, dass ich selbst auch schreibe und Regie führe, hilft mir sehr.
Als Sprecher kann ich mich so immer gut in die Regie hineinversetzen
und umgekehrt. Es ist eine perfekte Ergänzung und Symbiose. Auch für das
Schauspiel ist das eine große Hilfe. Denn auch da ist die Stimme sehr
wichtig, genau wie das Verstehen des Regisseurs.
12. Was steht bei Ihnen als nächstes an? Beruflich? Privat (wenn man fragen darf)?
Beruflich
stehen sehr viele tolle Projekte an. Es geht weiter mit SAO und anderen
tollen Animes. In Kürze führe ich dann Regie bei den Aufnahmen der 2.
Staffel von „Mister Bean“, für die ich im nächsten Block dann auch
weitere Synchronbücher schreiben werde. Außerdem ist gerade die
Vollversion zu dem wunderschönen Adventure Game „The Perils of Man“
auf den Markt gekommen, in dem ich die Ehre hatte, der Hauptfigur Ana
Eberling meine Stimme zu leihen. Produziert wurde dieses tolle Spiel
übrigens bei Planet Voice. Bei „The Perils of Man“ wird
man entführt an zahlreiche, liebevoll gestaltete Schauplätze und darf
detektivisch kombinieren, was das Zeug hält. Bei einer Spieldauer von
rund 8 bis 10 Stunden in toller 3D-Optik wird es garantiert nicht
langweilig. 😉 Es lohnt sich, mal in den App-Store zu schauen… Auch
privat gibt es eine sehr freudige Nachricht: Dieses Jahr im Oktober darf
ich den Mann meines Lebens heiraten, nachdem er mir im Januar in Boston
einen unbeschreiblichen und atemberaubenden Heiratsantrag gemacht hat. 🙂
13. Werden Sie an Ihrer Stimme auch im Real Live erkannt?
Eher
nicht, da ich sehr viele Rollen in Charge spreche und die Stimme über
das Mikro auch immer noch mal anders klingt als „normal“.
14. Wie identifizieren Sie sich mit Ihrer Rolle in SAO?
Ich
finde in YUI immer wieder kleine Parallelen zu mir als Kind. Manchmal
denke ich „Unglaublich, so habe ich auch mal mit meinen Eltern geredet
und sie waren völlig perplex, dass ich als Kind manche Sachen so
wiedergeben konnte und verstanden habe“. YUI hat – wie oben ja schon
erwähnt – eine äußerst berührende kindliche Weisheit, die aber gepaart
ist mit einer sehr empathischen und erwachsenen Seite. Auch etwas, das
mich zum Teil ein bisschen an mich als Kind erinnert.

15.
Ist es Schwierig, die Stimmung von Yui einzufangen und wiederzugeben?
Wie Lange haben sie gebraucht um sich in sie hineinzuversetzen?
Nein,
es fällt mir im Prinzip recht leicht, mich in YUI hineinzuversetzen.
Vor allem, weil ich sie ja auch schon länger kenne und spreche. Und aus
den in der Frage zuvor geschilderten Gründen liegt mir ihr Charakter
einfach und es fällt mir relativ leicht, sie zu spielen.

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