Hallo Bettina, wärst du so lieb und würdest dich den lieben Lesern einmal vorstellen?

Mein Name ist Bettina Brömme, ich stamme ursprünglich aus Karlsruhe, lebe aber nun schon seit fast 25 Jahren in München, davor habe ich in Franken, im schönen Bamberg, Germanistik, Journalistik und Kunstgeschichte studiert. 1998 erschien mein erster Roman, „So toll kann doch kein Mann sein“, ein witziger Frauenroman. Seitdem schreibe ich immer an irgend etwas, auch Krimis und Hörspiele habe ich schon geschrieben. Zwischendurch gab’s mal eine längere Pause  – ausgefüllt mit einer kleinen Weltreise und Familiengründung. In den letzten Jahren habe ich vor allem Jugendthriller und unterhaltsame Frauenromane geschrieben. 18, pleite und planlos, … ist mein erster „Chick-Lit“-Roman für Mädels ab 14 und mein 14. Roman überhaupt.

Was hat deine Familie dazu gesagt, dass du schreibst? Hat sie dich unterstützt?

Das erste, was andere Augen zu sehen bekommen haben, waren Kurzgeschichten und die mochte vor allem mein Vater immer sehr. Ich weiß gar nicht mehr, ob meine Eltern es so wirklich mitbekommen haben, als ich meinen ersten Roman schrieb. Da wohnte ich ja nicht mehr in Karlsruhe. Aber natürlich waren sie total begeistert und stolz auf die erste Veröffentlichung. Mein Papa hat allen möglichen und unmöglichen Menschen mein Buch geschenkt – etwa seiner Bankberaterin 🙂 Außerdem hatte (und habe) ich einen sehr lieben Freund, der damals so eine Art Agentenrolle eingenommen und mich sehr unterstützt hat.

Wann ist dein erstes Buch erschienen? Ist es in einem Verlag erschienen?

Wie oben schon gesagt  – das war 1998 bei Reclam Leipzig. Es war ziemlich einmalig: Die Zusage kam innerhalb von ein paar Tagen – sehr, sehr ungewöhnlich auf dem Literaturmarkt. Selfpublishing oder ähnliches war damals noch ein komplettes Fremdwort 🙂
Wie lange hast du für deinen ersten Roman gebraucht? Von der Idee bis zur Veröffentlichung?

Puh, das ist gar nicht so einfach zu sagen. Ich glaube, ich habe ungefähr ein Jahr am Roman geschrieben, neben dem Fulltimejob – am Abend, am Wochenende, im Urlaub. Dann hat es etwa ein halbes Jahr gedauert, bis der Verlag gefunden war und dann noch mal ein Jahr bis zur Veröffentlichung.
Woher bekommst du deine Ideen? Beobachtest du die Menschen um dich rum und auf der Straße und sammelst so Ideen für deine Protagonisten?

Ideen springen einen ohne Vorwarnung immer wieder an. Sei es durch Gespräche mit anderen Menschen, Belauschen von Gesprächen (nicht erwischen lassen ;-), Zeitungsartikel, Fernsehreportagen, sogar Textzeilen in Liedern können der Ausgangspunkt einer Idee sein. Als Autorin sollte man sehr wach, offen und neugierig durchs Leben gehen – dann gehen einem die Ideen nicht aus. Die zündenden Ideen sind dann die, die einen wirklich im Innersten bewegen. Wo man sich fragt, wie muss es sein, ein Mensch zu sein, der so etwas Außergewöhnliches erlebt. Natürlich entferne ich mich durch das Plotten und dann Schreiben meist weit von der Ausgangsidee – aber der Kern bleibt erhalten.

Wo schreibst du?

Ich schreibe ganz brav daheim im Arbeitszimmer mit einem schönen Blick auf den angrenzenden Parkstreifen, der einen guten Abstand zu den gegegenüberliegenden Häusern gewährt. Außerdem sehe ich sehr, sehr viel Himmel und höre gelegentlich die Kindergartenkinder, die auf dem Spielplatz rumtoben – aber die stören mich nie.

Wie dürfen wir uns Deinen Arbeitsplatz vorstellen? Wo schreibst Du am liebsten?

s. oben, anbei ein kleiner Panoramaschwenk über meinen Schreibtisch, auf dem gerne mal kreatives Chaos herrscht!


Hörst du beim schreiben Musik? Oder muss es still um dich herum sein? Wenn ja, was ist deine Playlist?

Nee, das ist nicht mein Ding. Ich höre gerne Musik, aber lieber beim Putzen oder Kochen. Ich muss immer mitsingen und dann könnte ich keinen geraden Satz schreiben.
Ansonsten habe ich kein bevorzugtes Genre, zur Zeit liebe ich die Filmmusik von Lalaland!
Planst Du ein Buch von Anfang bis Ende durch? Oder gibt es nur einen roten Faden, an dem du entlang schreibst?

Mittlerweile bin ich eine besessene Planerin. Was nicht heißt, dass ich mir jede kleinste Szene ausmale, dafür fehlt mir die Geduld. Aber ich mache mir vorher sehr viele Gedanken – nicht nur zum Ablauf der Story, sondern vor allem auch über die Vorgeschichte. Wie wurden die Heldinnen zu dem was sie sind, wenn die Geschichte losgeht – das ist für mich ganz wichtig. Ich kann jetzt nicht unbedingt sagen, was sie zum 10. Geburtstag geschenkt bekommen haben – aber wie ihr Verhältnis zu ihren Familienangehörigen und FreundInnen ist, das weiß ich schon. Denn dann sehe ich viel klarer und lebensechter vor mir, wie sich meine Heldin in bestimmten Situationen verhalten wird. Ohne Anfang, Mittelteil und Schluss zu kennen, könnte ich nicht schreiben. Es macht vorher zwar mehr Mühe, aber später wird man definitiv belohnt. So schreibe ich eigentlich auch auf Anhieb immer genau in der richtigen Länge.

Was machst du wenn du einmal absolut nicht weiterkommst und eine Schreibblockade hast?

Meistens hilft es mir ganz schlicht, mich in Bewegung zu setzen. Wenn ich spazieren gehe, kann ich super nachdenken. Meist laufe ich um unseren See und spreche dabei ins Diktiergerät meines Handys – dann bin ich nämlich gezwungen mir wirklich Gedanken zu machen. Das klappt super. Die andere Methode: Ab unter die Dusche! Das macht den Kopf ebenfalls frei!

Hast Du irgendwelche Schreibrituale?
Nö, nicht wirklich. Ich bekenne allerdings: Ich belohne mich zwischendurch immer mal mit einer Partie Spider Solitaire oder Mahjong. Ich rede mir ein, es macht den Kopf frei. Aber vermutlich ist es einfach ein bisschen Faulenzerei zwischendurch

 

Schreibst Du Deine Geschichten nur am Pc oder auch am Tablet? Benutzt Du noch Notizbücher?
Ich schreibe fast ausschließlich am PC. Ich habe eine ziemliche Sauklaue und als Linkshänderin verkrampft meine Hand auch schnell. Außerdem kann ich mittlerweile dermaßen schnell tippen, dass mir das Schreiben mit der Hand viel zu langsam vorangeht!

Nur selten, wenn mir was wirklich Wichtiges einfällt und ich nicht in der Nähe meines PCs bin, schreibe ich auch mal in ein Notizbuch. Dennoch liebe ich Notizbücher, weil es so unglaublich hübsche gibt. Ich schreibe mittlerweile übrigens mit der Autorensoftware Papyrus Autor, die wirklich klasse ist, wenn man längere Texte hat.

 

Wie bist du auf die Story zu 18, Pleite und Planlos überhaupt gekommen?
Meine damalige Arena-Lektorin hatte eins meiner humorvollen Frauenbücher gelesen und fragte, ob ich nicht mal so etwas für junge Mädchen schreiben wolle. Natürlich wollte ich und mir war schnell klar, dass unbedingt Youtube drin vorkommen sollte – ich kenne keinen Jugendlichen, der diese Plattform nicht nutzt. Es fehlte nur noch der Aufhänger, was man darum erzählen konnte. Irgendwann – morgens im Halbschlaf während der Frankfurter Buchmesse – kam ich dann auf die Idee mit den 18-jährigen, die jüngere mit witzigen Videos vorm 18 werden warnen wollen. Die Lektorin, die ich ein paar Stunden später auf der Messe traf, war begeistert und ich konnte damit loslegen, mir die Geschichte weiter auszudenken. Das hat ziemlichen Spaß gemacht und die Geschichte ging mir recht leicht von der Hand. Irgendwie purzelten und sprudelten die Ideen ganz von allein.

 

Wie kommst Du auf die Namen deiner Protas?
Manchmal ganz spontan, vor allem bei Nebenfiguren. Bei Hauptfiguren muss der Name schon gut passen. Da überlegt man ja auch, aus was für einem Elternhaus kommt die Protagonistin – und entsprechend vergeben auch die (fiktiven) Eltern einen Namen. Ein Mädchen aus einer Professorenfamilie heißt vielleicht anders als eine aus einer Bäckerfamilie. Manchmal nehme ich auch ein besonderes Kennzeichen oder einen Charakterzug einer Figur und schaue, ob es dafür in einer fremden Sprache ein klingendes Wort gibt. Eine Prota hieß mit Nachnamen „Kraska“ – das ist tschechisch für „schön“. Keine Frage, wie die Frau aussah, oder?

Bei 18, pleite und planlos … kommt Franzi ja eher aus einer bäuerlichen Familie, Mai hat einen vietnamesischen Papa und die Schwestern haben – ganz ehrlich – ihre Namen von den beiden Schauspielerinnen aus „Fuck you Goethe“ – Jella Haase und Alwara Höfels (auf Alwa verkürzt) die ich einfach wahnsinnig witzig in dem Film fand. Und irgendwie hat es mir gefallen, sie zu ungleichen Zwillingsschwestern zu machen.

Hast Du schon andere Projekte in Planung?

Na klar, immer! Ich schreibe gerade an einem neuen romantischen Liebesroman für junge Frauen, der im Frühjahr 2018 erscheint. Er wird in London spielen, so viel kann ich schon verraten.

Wie fühlt es sich an, sein eigenes Werk als Buch in der Hand zu halten?

Na, das ist schon der Knaller, ganz klar! Jedes Buch ist immer wieder Grund für einen Freudenschrei   – den durfte ich schon 25 Mal ausstoßen. So viele Bücher von mir oder mit Beiträgen von mir gibt es mittlerweile. Und es ist immer wieder toll!

Liest Du auch genauso gerne, wie Du selber schreibst? Oder gibt es im Autoren-Alltag keine Zeit zum Lesen?
Oh ja, einen Tag ohne Lesen gibt es bei mir nicht – und wenn es nur zehn Minuten abends im Bett sind. Ich bin eine ausgesprochene Bett-Leserin.

Wenn Du selber gerne liest, was ist Dir allgemein bei einem guten Roman wichtig, worauf legst Du wert?
Eine Geschichte, die mich berührt, Figuren, die mir lebendig erscheinen, gerne guten Humor, gerne aber auch tiefgehende Konflikte, moralische Dilemata, überraschende Wendungen und stramme Spannung – nicht unbedingt alles in einem Buch, aber zwei, drei dieser Elemente müssen schon dabei sein.

Welches Buch hast du als erstes selbst gelesen?

Ich vermute mal, das war Hanni und Nanni. Ich war wahnsinnig neidisch auf die ein Jahr ältere Nachbarstochter, die das schon lesen konnte. Als ich es endlich selbst konnte, habe ich mich auf diesen Mädchen-Klassiker geworfen und war bitter enttäuscht! Ich fand es furchtbar langweilig! Nach einem Band war Schluss. Toller fand ich dann die Abenteuer- oder die Fünf-Freunde-Reihe von Enid Blyton.

Wie sieht bei dir ein typischer Tag aus? Was sind deine Hobbys?
Meist sitze ich jeden Tag ganz brav und spätestens um 9.00 Uhr am Schreibtisch und fange an. Meist sitze ich da so bis gegen 13.00 Uhr und wenn ich Glück habe und es gut läuft, sind mir so etwa acht Seiten gelungen. Manchmal mehr, manchmal weniger, manchmal besser, manchmal schlechter. Aber man kann ja immer alles überarbeiten. Neben dem Schreiben arbeite ich  noch als redaktionelle Mitarbeiterin beim Bayerischen Rundfunk, in der Fernsehunterhaltung. Im Herbst arbeite ich ganztags in meiner Redaktion, den Rest des Jahres weniger, aber parallel zum Schreiben. Insofern sieht fast jeder Tag anders aus – schreiben, Arbeit fürs Fernsehen, schreiben von Artikeln und in letzter Zeit engagiere ich mich sehr für die Münchner Schreibakademie, die ich letztes Jahr mit meiner Autorenkollegin und Freundin Beatrix Mannel (ihr kennt sie vielleicht als Beatrix Gurian) gegründet habe – dazu gehört auch ein wenig bloggen und solche Dinge.

Hobbys – nicht wirklich. Seit kurzem singe ich in einem Chor mit, aber das ist wirklich reines Freizeitvergnügen. Außerdem wohne ich in einem Genossenschaftsprojekt und engagiere mich auch hier viel. Wir veranstalten Kulturevents wie Lesungen, Konzerte, Kabarett, Kochkurse, Kinoabende etc., ich bin im Vorstand unseres Nachbarschaftsvereins und schreibe an unserem Genossenschafts-Newsletter mit. Außerdem muss ich natürlich gelegentlich auch mal einfach auf einen Kaffee mit den vielen lieben NachbarInnen im Hof sitzen oder etwas mit Mann und Sohn unternehmen. Ihr seht: Langweilig wird es mir nie!

Hast du Ratschläge für junge Autoren und die die es werden wollen?

Hm. Ganz klassisch. Wer schreiben will, muss lesen. Richtig viel! Und wer schreiben will, muss schreiben. Noch viel mehr. Es hilft nix: Man muss sich auf den Allerwertesten setzen und schreiben, bis einem die Stirn blutet (hat Douglas Adams mal so ähnlich gesagt). Nee, wirklich: Man braucht immenses Durchhaltevermögen, Fleiß und den Willen, wirklich ein Buch schreiben zu wollen. Und noch etwas ist mir ganz wichtig: Lernt das Handwerkszeug! Meint nicht, ihr wisst schon alles. Auch ich lerne nach 15 Romanen immer noch dazu. Schaut doch gerne mal auf unsere Akademie-Seite: www.münchner-schreibakademie.de , da bieten wir verschiedene Module an, mit denen man das Schreiben eines Romans vom Anfang bis zum Ende lernen kann.

 

Welchen Weg willst du  in Zukunft noch beschreiten?
Ich bin eigentlich ganz zufrieden – ich hoffe, ich kann weiterhin Bücher schreiben, sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für Erwachsene. Glücklich wäre ich, wenn wir das Seminarangebot unserer Schreibakademie noch weiter ausbauen könnten.

Was war der erste Berufswunsch in der Kindheit?
Schriftstellerin. Aber dann bin ich auf Journalistin umgeschwenkt, das kam mir realistischer vor.

 

Wird man dich im Oktober auf der FBM antreffen?
Dieses Jahr vermutlich nicht, weil gerade kein neues Buch von mir erscheint.

Was ist dein Traumreiseziel, und wieso?

Es gibt vor allem zwei Ziele, die ich gerne bereisen würde: Zum einen würde ich gerne mal nach Chile – es muss faszinierend sein, Meer, Wüste, Berge und Tropen in so einem schmalen Streifen Land zu erleben. Zum anderen möchten ich unbedingt einen Eisberg sehen – also entweder mal nach Island oder noch lieber gleich an den Nordpol. Schade, dass der so ein wenig abgelegen ist. Ich stelle mir die Erhabenheit dieser riesigen, durchscheinend blau-silbernen Eisberge einfach fantastisch vor.

Gibt es etwas, das Du Deinen Lesern und Leserinnen schon immer mal sagen wolltest?
Ich freue mich tatsächlich über jede/n, die / der meine Bücher liest – und ich bin stolz darauf, wenn ich LeserInnen begeistern kann. Das ist das schönste Geschenk für eine Autorin, ganz ehrlich! Wir sitzen ewig allein am Schreibtisch und wurschteln vor uns hin, ohne dass jemand großartig Notiz von uns nimmt – da ist eine tolle Rezension oder ein netter Kommentar zum Buch  wirklich eine Belohnung!

 

Danke Bettina für das tolle Interview und das du wirklich ALLE fragen beantwortet hast, auch wenn das Interview sehr lang geworden ist.

Der Arena Verlag verlost nach der Blogtour 3 x „18, pleite und planlos, aber immerhin sehen wir gut dabei aus“. Wenn ihr am Gewinnspiel teilnehmen möchtet, sammelt an jedem Tag der Blogtour ein Buchstabenpaar auf dem jeweiligen Blog und setzt es zu einem Lösungswort zusammen. Um im Lostopf zu landen, schickt das Lösungswort bitte an leonie.dittmann@arena-verlag.de Die Gewinner werden automatisch benachrichtigt. Viel Glück!

 

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